Dark Forest
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11.02.10 Fortsetzung

Der Atem des Mädchens wird unregelmäßiger bei seinen Worten, bis es schließlich langsam erwacht. Auch wenn Tindo wieder einmal nicht versucht sich einzugestehen, dass es so ist, machen ihr Cyas Worte dennoch Angst. Längst hat sie verstanden, dass er sie niemals verletzen wird, sie tatsächlich liebt. Längst ist sie sicher, dass sie seine Gefühle erwidert, dennoch ist es immer wieder erschreckend für das Mädchen, festzustellen, dass es so weit geht und sich so sehr verliert. Es gab Zeiten, in denen war die Unnahbarkeit für Tin das Einzige, das sie rettete vor dem völligen Zusammensturz einer ganzen Welt – einer Kinderwelt. Natürlich macht es ihr nun Angst, diesen Schutz fallen zu lassen.


Still öffnet sie die Augen und betrachtet Cya, ganz eng hat er sie an sich gezogen. Sie versucht zu ignorieren, dass ihr Herz hüpft, wenn sie ihn so sieht und sie so nah bei ihm ist. Doch es lässt sich nicht lange verleugnen. Besonders seinen Geruch mag Tin so gerne. Er hat seinen ganz eigenen Geruch. Nach Seife riecht er und nach muffigen Büchern. Aber auch nach Schweiß, jedoch nicht unangenehm. Nein, im Gegenteil, der Geruch gehört dazu. Außerdem ist sie sich sicher, den Drachen in ihm zu riechen. Es ist nur ein ganz leichter Hauch, doch es ist etwas, das sie noch nie bei jemand anderem gerochen hat. Zugegebenermaßen auch nicht bei Sammy oder Lilly, aber andererseits, hatte sie noch nie so dicht bei ihnen gelegen, wie sie nun bei Cya liegt. ER dagegen hatte immer schlecht gerochen. Sogar wenn er frisch gewaschen war und seine feine Kleidung getragen hatte. Dann hatte er meist dieses billige Parfum aufgelegt, das seinen Geruch noch unausstehlicher gemacht hatte. Und überhaupt hatte er immer nach Alkohol gerochen. Ständig hatte er diesen billigen Fusel getrunken und danach gestunken wie die ganze Taverne in Goldhain.


Mit einem leisen Gähnen schließt das Mädchen die Augen wieder, auch sie schläft noch einmal ein. Jedoch wird es nicht mit so ruhigen Träumen beschenkt, wie der Drache, der neben ihm ruht. Im Gegenteil, Tin wälzt sich unruhig hin und her und keucht ab und an leise auf.


„Ich liebe dich, Drecksstück“, schallen ihr die Worte entgegen. Sie steht hinter dem Haus, am Plumpsklo. Im Traum weiß sie sogar, dass dort irgendwann ein Grab für ihn sein wird. Und viel später auch eines für ihre kleine Tochter. Doch das nimmt ihr die Angst nicht. Nein, obwohl sie weiß, dass es enden wird, fühlt sie sich ausgeliefert. Er steht vor ihr und hält sie am Arm fest. Ihr ist schlecht, am liebsten würde sie ihm den Ekel, den sie empfindet auf die Schuhe spucken. Doch ihr bleibt alles stecken. „Ich liebe dich, Drecksstück.“ Seine Worte machen alles zunichte. Ein Versprechen, dass es nun für immer so weiter gehen würde. „Schließlich hast du deine Mutter getötet, du musst sie nun ersetzen, Schlampe!“

Bisher hatten ihm die Mädchen in Goldhain gereicht. Jeden Abend ist er dorthin verschwunden, doch sie ist leichter zu haben, kostet ihn kein Geld. Es ist ganz logisch für ihn. Für sie ist es das ja auch. Sie hatte nicht gehorcht, hatte ihre Mutter ermordet, also ist es nur gerechtfertigt, dass sie dafür bestraft wird. Dennoch lehnt sich etwas in ihr dagegen auf. Sie unterdrückt den Teil immer wieder, denn er darf nicht sein, bewahrt sie nicht vor Schmerzen, sondern ruft nur neue hervor.


Das Mädchen mit den traurigen Augen fährt aus seinem Traum auf und sieht sich um. Erst als Tin Cya sieht, hört und riecht, beruhigt sie sich langsam wieder. Es war ein Traum. Nur ein Traum. Leise kuschelt sie sich wieder an ihn, lässt seine beruhigende Geborgenheit sie einhüllen. Schließlich schläft sie wieder ein, doch im Einschlafen kommen noch leise genuschelte Worte über ihre Lippen: „Ich liebe dich, Drecksstück.“

18.2.10 04:27
 


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