Dark Forest
| Startseite | Cyas Geschriebenes | Tindos Geschriebenes | Cyas Gezeichnetes | Gästebuch | Kontakt | Abonnieren
11.02.10

Sein Herz pocherte wie wild, als er aus dem Schlaf gerissen wurde. Der kleine Drachling wusste im ersten Moment nicht so recht, wo er war. Alles war verschwommen und unscharf. Dann erinnerte er sich, man hatte ihn aus dem vertrauten Hort seiner Mutter genommen und hierher gebracht. Einige Wochen war es nun schon her, oder waren es Monate?

So genau wusste er es nicht mehr.

Hier sollte er zusammen mit anderen Drachlingen zu einem Soldaten ausgebildet werden. Sollte eines Tages den Schwarm und somit die Drachenkönigin beschützen, eines Tages wenn er groß und stark sein würde…wenn er nicht vorher an der harten Ausbildung und am gebrochenem Herzen zugrunde ginge.

Er vermisste seine Mutter und auch seine Geschwister, mit denen er sonst so fröhlich gespielt hatte.

Der kleine Rote hatte unvorstellbare Angst vor den großen Drachen, die ihn und die Anderen ausbildeten. Sie waren so bedrohlich und fremd, er sehnte sich nach der Geborgenheit seiner Mutter…die Wärme ihrer Liebe zu ihm.


Einmal hatte er versucht zu flüchten. Er wollte zu seiner Mutter zurück, doch man hatte ihn schließlich erwischt und die Strafe war hart gewesen. Der kleine Drache hätte sich kaum ein weiteres Mal getraut, auch nur daran zu denken.

Auch an diesem Morgen wurden die Drachlinge wieder zum Drill hinausgetrieben, unter ihnen auch der kleine Rote, dessen grüne Augen so anders waren, als die der übrigen Drachen. Ihre Wärme und Güte war unverkennbar, wenn auch voller Angst.

Er zitterte etwas, als einer der großen zu ihm sagte, er solle seine Flügel ausbreiten um zu fliegen. Zuerst wollte er nicht, ja weigerte sich sogar.

Als der Große ihn dann in die Luft hob um ihn dann gleich darauf fallen zu lassen, begriff der Kleine schließlich, dass ihm nichts anderes übrig blieb und spreizte seine Flügelchen.

Während er seine Augen geschlossen hatte und die Luft anhielt, spielte sich vor seinem geistigen Auge alles noch einmal ab.

Er erinnerte sich an die liebevollen Augen seiner Mutter als er aus dem Ei gekrochen kam.

An ihre zärtlichen Berührungen, als sie ihn ermutigt hatte zu laufen, sanft mit ihren Pranken nachhelfend.

An das Nest, in dem sie sich des Abends immer zusammengekuschelt niederlegten, um gemeinsam zu schlafen und auch an die Frage, die er seiner Mutter einmal gestellt hatte. Damals, als er zum ersten Mal die Sterne gesehen hatte.

„Was ist das dort oben, Mutter?“ wollte der kleine Rote neugierig wissen. Die große Rote sah ihren Sohn daraufhin lächelnd an und erklärte, dass dies die Sterne seien. Dass dort oben die Wesen, die einem besonders wichtig sind hingelangen, wenn ihre Zeit gekommen sei und sie von dort über sie wachen würden. Auch sein Vater sei dort und wäre sehr stolz auf ihn, hatte sie gesagt.

Das sagte sie auch an dem Tag, als man ihn aus dem Hort nahm, weg von seiner Mutter, von seinen Geschwistern.

Sie sagte ihm, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, an dem er seiner Bestimmung folgen sollte, so wie jeder Einzelne von ihnen. Sie sagte, dass sie immer in seinem Herzen sei und er in Ihrem.

Der kleine Rote hatte geweint und seiner Mutter unter Tränen gesagt, dass er nicht weg von ihr wolle, er hatte sich sogar an ihr festgekrallt, doch sie hatten ihn einfach mitgenommen.

Er hatte lange danach noch geweint und nach seiner Mutter gerufen, aber irgendwann wurde das Rufen leiser bis es schließlich verstummte.


Als der kleine Drachenwelpe seine Augen wieder öffnete, brannte in ihm ein inneres Feuer, welches in seinen Augen aufloderte. Er flog nun, und seine anfängliche Angst wich dem Stolz es geschafft zu haben.


Er arbeitete von nun an härter an sich selbst, ließ keine Gedanken mehr zu, die sich um seine Mutter drehten. Nach und nach vergaß er die Zeit, die er mit ihr verbracht hatte gänzlich und die Jahre vergingen, so dass aus dem Drachling zuerst ein Jungdrache, und danach ein Großdrache wurde.

Schon längst hatte er gelernt Feuer zu spucken und mit seinen nunmehr großen Schwingen elegant durch die Luft zu gleiten.

Nun war er selbst einer der Ausbilder, die erhaben über die Kleinen wachten und sie zu Soldaten heranzogen.

Auch er war nicht minder streng, und durch die Schlachten, welche er im Laufe seines Lebens gesehen hatte auch nicht unbedingt freundlich zu den Jungspunden, die noch nichts vom Leben wussten. Unter den Ausbildern seines Schwarms hatte er den Ruf, besonders hart zu sein, sowohl als Ausbilder als auch als Befehlshaber seiner Einheit.

Die grünen Augen musterten die junge Drachin, die der Einheit als Rekrut zugeteilt wurde.

Der große Rote nickte, wenn auch skeptisch, versprach jedoch sie unter seine Fittiche zu nehmen, als man Sie ihm zuteilte und als Lexiastrasza vorstellte.

Er ließ sie genauso arbeiten, wie die Anderen aus der Einheit, duldete keine Ausreden und nahm auch keine Rücksicht darauf, dass sie weiblich war.

Für ihn machte es keinen Unterschied, das jedenfalls dachte er wohl.

Nach und nach jedoch änderte sich das, wenn auch schleichend.

Der große Rote ertappte sich dabei, wie er ihr hinterher blickte, wenn sie an ihm vorbeiging.

Und auf einmal fing sein Herz wie wild an zu schlagen, wenn sie etwas zu ihm sagte, meist nickte er dann nur.

Wenn er jedoch seine Augen schloss, war er mit ihr zusammen, dicht an sie gekuschelt. Er lächelte, bei dieser Vorstellung, bekam dann immer ein Leuchten in den Augen.

Und der Mann, der sein ganzes Leben ein Soldat gewesen war, sehnte sich nun nach einem normalen Leben, einer Familie…



 

Als Cyanostrasz, der rote Großdrache langsam seine Augen öffnet, liegt er in einem weichen Bett in einem Gasthaus irgendwo in den östlichen Königreichen. Er lässt seinen Blick neben sich schweifen, wo ein junges Menschenmädchen liegt. Unter die Decke gekuschelt und wohl schlafend. Sanft zieht er die Decke über sie beide, während er das Mädchen langsam an sich zieht. Die gütigen, grünen Augen blicken sie verträumt und liebevoll an, schnell wischt er die Erinnerungen, welche ihn eben noch verfolgt hatten bei Seite.

Zaghaft gibt er ihr dann einen Kuss auf die Wange, vorsichtig kuschelt er sich an um noch etwas weiter zu schlafen, sich noch eine Weile auszuruhen.

Leise flüstert er dem Mädchen ins Ohr „ich liebe dich, Tindo“ dann schläft er wieder ein.


18.2.10 04:26
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen

_________________________________
Design // Host
Gratis bloggen bei
myblog.de