Dark Forest
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15.01.10

Einige Zeit war nun schon vergangen, seid Cya sich von Lilly verabschiedet und sich auf den Weg Richtung Drachenöde gemacht hatte. Zuerst war er einem alten Pfad der Kaluak gefolgt. Dies hatte er lediglich so lange getan, bis er sich sicher war, dass ihm Niemand gefolgt war. Versteckt in einem kleinen Wäldchen, umgeben von Büschen verwandelte der rothaarige Mann sich schließlich in etwas anderes, seine Gliedmaßen nahmen enorme Züge an. Riesige Schwingen mit ebenso gewaltiger Spannweite spreizten sich in der klirrenden Kälte des Nordens. Der donnernde Hall des Rufes der riesigen, haushohen Echse, war wohl einige Kilometer weit zu vernehmen, als sich der Rubindrache letztendlich mit seinen Pranken vom schneebedeckten Boden abstieß. Die Wucht des Luftzugs seiner Schwingen stieß den umherliegenden Schnee bei Seite, so als würde man den Schaum einer heißen Schokolade von der Oberseite der Tasse pusten.

Seine warmen, gütigen Augen betrachteten für einen kurzen Moment die freigesetzten Blumen, die darunter wohl einen Winterschlaf gehalten haben mochten.

Dann setzte er sich in Bewegung, weiter Richtung Drachenöde, auf der Suche nach seiner Tochter, so besorgt wie ein Vater nur sein kann…


Viele Stunden flog Cyanostrasz, der rote Großdrache nun schon über Nordend hinweg. Der kalte Wind in den Wolken hatte ihm sehr zugesetzt, doch Müdigkeit und die stetige Sorge um seine Tochter, Samyrastrasza ließen ihn das nicht merken…oder ignorierte er es einfach?

Und dann war da ja noch Jemand, an die er immerzu denken musste. In Sturmwind. Und sie wartete auf ihn. Und er wollte sie doch nicht zu lange warten lassen.

„Tin“ schoss es ihm immer wieder durch den Kopf „Tindomerel“


Was sie jetzt gerade wohl tat?


Und plötzlich war es da. Dieses Gefühl von Unbehagen, das Wissen, dass etwas geschehen würde.

Nahe eines Gletschers, im Norden der Drachenöde, setzte Cya zur Landung an. Er versuchte so sanft wie nur möglich zu landen, doch dies gelang ihm nur mäßig, da sich nun auch langsam die Müdigkeit, die ihn schon länger begleitete, bemerkbar machte.

Ausgezehrt und völlig übermüdet krachte er in den hohen Schnee, wo er für einen Moment liegen blieb. Erschöpft wollte er seine Augen schließen, doch schnell fasste er sich erneut, zwang sich selbst nicht auf zu hören.


Er hatte Tin versprochen, sie nicht allein zu lassen…und auch Sammy und Lilly nicht.

„Sammy...ich muss sie finden“ sprach er zu sich selbst, als er seinen riesigen Körper wieder aufrichtete und sich schwerfällig durch den Schnee stapfend auf die weitere Suche machte…


Schneewehen und eiskalter Wind peitschten ihm ins Gesicht, sowie gegen den restlichen Körper des Großdrachen. Er musste wohl in der Nähe des Rubindrachenschreins sein. Dem Ort, an dem seine Brüder und Schwestern ihre letzte Ruhe fanden, wenn der Tag gekommen war. Auch Lex war hierher gebracht worden, als sie gefallen war. Es war ein Ort der Besinnung, des Endes aber auch des Neubeginns.

Und wieder war dieses Gefühl des Unbehagens in ihm.

Diesmal noch stärker, als zuvor.

Doch woran sollte das liegen? An der immerwährenden Präsenz des Untodes, welche sich wie ein Lauffeuer durch ganz Nordend erstreckte?

Aber das konnte es nicht sein, denn dieses Gefühl war anders, als es er es bisher Jemals gefühlt hatte. Eine ihm bekannte Aura war zu spüren, doch das war gänzlich unmöglich.

Sollte er sich schon Dinge einbilden, in seinem Delirium…wurde er wohlmöglich wahnsinnig?


Das Schneetreiben war unlängst stärker geworden, so dass bis auf wenige Meter kaum etwas zu erkennen war.

Der Drache hob seinen Kopf in die Luft um etwas besser erkennen zu können, wohin er lief.

Der Schrein musste doch bald auftauchen, er konnte sich doch nicht so verfranst haben.

Wenn er klar hätte denken können, dann wäre ihm zweifellos aufgefallen, dass er sich schon längst nicht mehr auf dem Weg zum Rubindrachenschrein befand. Ohne es zu wissen, hatte ihn sein Instinkt überlistet und führte ihn auf die Präsenz zu, die für sein Innerstes ungemein wichtig war. Sein Verstand aber, hätte ihm zweifellos gesagt, dass er nicht weiter durfte.


Und dann, sah er sie. Diese Gestalt, welche aus dem Schneetreiben auf ihn zukam. Vollkommen in schwarz gehüllt, das Gesicht unter einer Kapuze verborgen, so dass lediglich die Augen leuchtend hervorstachen.

Die Person kam langsam näher, es schien, als würde sie über den Schnee hinwegschweben.

Begleitet wurde sie von einer klirrenden Kälte, die das Blut in den Adern gefrieren ließ.


Sie waren nunmehr wenige Schritte voneinander entfernt, als die Person zu reden begann. Die Stimme war kalt, und mit jedem Wort, welches ihr über die Lippen glitt strömte so ein unnachgiebiger Nachgeschmack von Tod in Cya´s Bewusstsein.

Er riss unweigerlich seine Augen auf.

Diese Stimme war ihm so seltsam bekannt und gleichzeitig fremd.

Dann, nahm die Person ihre Kopfbedeckung ab und blickte ihn aus eisblauen, bösartig funkelnden Augen an. Das Gesicht der Frau vor ihm war makellos und eben, wie das einer Porzellanpuppe. Das lange, weiße Haar fiel üppig zur Seite auf ihre Schultern und floss weiter hinab, bis beinahe zu den Hüften.


„LEX!“ stieß Cya hervor „wie kann das sein?“


Die Frau musterte ihn, ihre Lippen kräuselten sich zu einem unheilvollen Grinsen.


„Begrüßt man so, seine große Liebe? Ist das alles, was du mir zu sagen hast?!


Noch ehe Cyanostrasz etwas dazu äußern konnte, wurde er von den Seiten angegriffen. Reagieren war kaum möglich, die Glutwyrm, eine genaue Zahl war nicht aus zu machen, attackierten ihn unerbittlich.

Verzweifelt versuchte er sich zu wehren, schüttelte einen Angreifer von seinem Rücken, ehe sich Dieser darin verbeißen konnte, doch schon waren da 3 Andere.

Einen von ihnen konnte Cya schließlich erwischen und mit seinen riesigen Pranken zermalmen, aber Müdigkeit und Erschöpfung forderten ihren Tribut.


„Du hast also wirklich geglaubt, ich ließe dich so einfach davonkommen?

Jetzt war es Lex, die sich in etwas großes veränderte.

Aber es war nicht die ihm vertraute Rubindrachin, die er einst innig geliebt hatte.

Sie war nun zu etwas anderem geworden, etwas, das die Geißel aus allen von ihnen machte, die sie korrumpieren konnte.

Die Augen des Glutwyrm waren blutrot und funkelten voller Zorn.


„Das…ist…nicht…wahr“ keuchte Cya leise, während er immer schwächer werdend die Attacken der anderen Wyrm zu parieren versuchte.



Sie deutete den Anderen Drachen von ihm ab zu lassen, ehe sie selbst sich ihm näherte. Ihr erbarmungsloser Blick ließ keinen Zweifel zu. Sie gehörte zur Geißel und sie war hier um ihn zu töten. Bevor sie zum letzten Schlag ausholen wollte, sprach sie jedoch noch mal mit gedämpfter Stimme.


„Ich war es, die dich herlockte…dich in den Glauben versetzte, dass Sammy dich hasst. Und nun…nachdem ich dich getötet habe…werden sie dir schon bald folgen.“


Mit letzter Kraft holte er schließlich aus, versetzte ihr einen Schlag mit seinen Klauen, der sie augenblicklich zurückweichen ließ.


„TÖTET IHN!“ schrie sie, während sie selbst sich schon in die Luft erhob „Lasst nichts von ihm übrig. Ich nehme mir die Anderen vor!“

Die Wyrm verschwand schließlich wieder in dem Schneetreiben aus dem sie gekommen war, doch sie ließ noch einige kleinere Glutwyrm zurück, die nun den Rest erledigen sollten.


Sie alle stürzten sich nun auf Cyanostrasz, der mit allen Kräften versuchte sich zu wehren. Mit seinem Schweif traf er zwei von ihnen und peitschte ihnen eine geballte Ladung Wut entgegen. Einer von ihnen verbiss sich in seiner Flanke und riss, nachdem Cya ihm einen Prankenhieb verpasst hatte ein großes Stück Fleisch heraus.

Der Rubindrache wusste, wenn er nicht schleunigst in die Luft kam, wäre das wohl sein Ende.

Mit letzter Kraft stieß sich die große Echse vom Boden ab, um die Wyrm anschließend mit seinem Feueratem ein zu äschern.

Alle konnte er allerdings nicht erwischen, da sie sich ebenfalls in die Luft erhoben hatten. Hier griffen sie ihn weiterhin erbarmungslos an.

Der Schnee wurde vom harten Wind herumgewirbelt, und traf sie alle so dass es schmerzte wie tausend kleine Nadelstiche.

Einer der Wyrm hatte nicht aufgepasst, so dass Cya ihn sich packen konnte.

Ein unschönes Zerbersten von Knochen war zu hören, als der rote Großdrache das Genick des Wyrm brach und ihn zu Boden krachen ließ.


Geschwächt und keuchend versuchte Cya in der Luft zu bleiben. Lange war es ihm wohl nicht mehr möglich. Verschwommen nahm er die Bewegungen seiner Gegner nur noch Schemenhaft war.

Sie befanden sich nun direkt über dem Rubindrachenschrein.


Ein letzter Feueratem versengte die Körper der Angreifer in brütender Hitze. Doch sie waren noch im Stande zu einem letzten Gegenschlag aus zu holen.

Mit messerscharfen Klauen bohrten sie sich in die Haut des Großdrachen und zerfetzten seine Flügel.

Der Schrei, den Cya ausstieß verhallte in den Weiten des Nordens.

Dann krachte er ungebremst auf den Boden des Schreins.

Von den Seiten kamen nun etliche Rubindrachen, die seine Peiniger schließlich zu Asche verbrannten.

Sein Atem war schwer, als er sich zu erheben versuchte. Sämtliche Knochen in seinem Leib waren gebrochen, dazu kamen die Biss und Kratzwunden. Das alles hätte er wohl ertragen können, wenn nicht der seelische Schmerz ihm so zugesetzt hätte. Wie konnte das sein, seine große Liebe hatte ihn verraten. Sie, der Er einst ewige Liebe geschworen hatte, war gekommen um ihn zu töten.

Nach einigen Versuchen, brach er schließlich unter unvorstellbarem Schmerz zusammen.


Seine Augenlider wurden schwer, als er mit trübem Blick in den eisigen Himmel der Drachenöde starrte. War das der süße Duft der Erlösung? Er, der schon viele Schlachten gesehen hatte, sollte nun gehen?


„Lex…Tin…Sammy…ich kann nicht…ich kann Euch nicht beschützen…“ Fast wie ein leiser Windstoß vergingen diese geflüsterten Worte.

Dann schloss er seine gütigen Augen, wartend, dass die ewige Nacht ihn umarmen würde…

18.2.10 04:04
 


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