Dark Forest
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02.09.09

Bel betrachtet die fein geschwungenen Buchstaben auf der kleinen Kiste, die seinen Namen bilden. Langsam nimmt er die Kiste von dem Tisch im Lazarett auf, wo irgendjemand sie hingestellt hat. Erst draußen auf dem Platz, gemütlich auf einer Bank sitzend, öffnet er die Kiste und nimmt die Dinge darin heraus. Lächelnd hängt er sich die Kette mit der Drachenkralle um, dann erst greift er zu dem Papierfetzen. Die wenigen Worte darauf hat Bel schnell gelesen, er zerknüllt das Papier und steckt es wieder in die Kiste, die er einfach schließt, ohne dem kleinen Beutel darin Beachtung zu schenken. Dabei lacht er gehässig.

Das Gesicht des Mannes, der so plötzlich neben Bel auftaucht, scheint so schrecklich bekannt zu sein. Ihr Onkel. Bel reicht ihm wortlos die Kiste, sein Gesichtsausdruck ist freundschaftlich. Als dieser die Kiste öffnet, schwappt beiden eine Flut roter Flüssigkeit entgegen. Blut! Ihr Onkel schließt die Kiste nicht, lässt die Flutwellen weiterhin daraus entweichen. Hämisch grinsend sieht er zu, wie das Blut alles umspült, alles überflutet und langsam zu einem Meer wird. Sie gehen beide darin unter und die letzten Worte, die Tindo, die irgendwo barfuß am Strand steht und zusieht, wie die blutroten Wellen ihre nackten Füße umspülen, hört, sind: "Meine eigene Tochter, die mich tötet.... mich tötet... tötet"



Mit einem halblauten Schrei fuhr Tindo hoch, die Haare und das Hemd klatschnass vom Schweiß. Völlig verstört sah sie sich in dem kleinen Zimmer um. Es dämmerte bereits und sie beschloss aufzustehen. Hier im Zimmer würden die finsteren Gedanken sie nur aufzehren. Also zog sie sich unbeholfen an, verfluchte wie so oft ihre verletzte Hand und machte sich auf den Weg zum Hafen. Dort setzte sie sich ans Wasser, versuchte ihre Gedanken in andere Bahnen zu lenken, doch es funktionierte nicht so, wie sie es sich wünschte. Eine innere Anspannung befiel sie, ihre Finger suchten nach Beschäftigung, deswegen zog sie den kleinen Wurfdolch hervor, den sie sich besorgt hatte, und begann kleine Fingerspielereien damit.

Es kam wie es kommen musste, der Dolch rutschte ihr durch die Finger und traf sie am Arm. Fasziniert starrte Tindo auf die kleine Wunde und beobachtete das Blut, das langsam hervorquoll. Völlig gebannt spürte sie, wie mit dem Blut auch die Anspannung aus ihrem Körper wich. Ohne darüber nachzudenken, fuhr sie mehrmals mit dem Dolch über ihren Arm, ließ sich dann auf den Rücken fallen und beobachtete ruhig und fast zufrieden den Sonnenaufgang.
18.2.10 02:49
 


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