Dark Forest
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18.2.10 04:42


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11.02.10 Fortsetzung

Der Atem des Mädchens wird unregelmäßiger bei seinen Worten, bis es schließlich langsam erwacht. Auch wenn Tindo wieder einmal nicht versucht sich einzugestehen, dass es so ist, machen ihr Cyas Worte dennoch Angst. Längst hat sie verstanden, dass er sie niemals verletzen wird, sie tatsächlich liebt. Längst ist sie sicher, dass sie seine Gefühle erwidert, dennoch ist es immer wieder erschreckend für das Mädchen, festzustellen, dass es so weit geht und sich so sehr verliert. Es gab Zeiten, in denen war die Unnahbarkeit für Tin das Einzige, das sie rettete vor dem völligen Zusammensturz einer ganzen Welt – einer Kinderwelt. Natürlich macht es ihr nun Angst, diesen Schutz fallen zu lassen.


Still öffnet sie die Augen und betrachtet Cya, ganz eng hat er sie an sich gezogen. Sie versucht zu ignorieren, dass ihr Herz hüpft, wenn sie ihn so sieht und sie so nah bei ihm ist. Doch es lässt sich nicht lange verleugnen. Besonders seinen Geruch mag Tin so gerne. Er hat seinen ganz eigenen Geruch. Nach Seife riecht er und nach muffigen Büchern. Aber auch nach Schweiß, jedoch nicht unangenehm. Nein, im Gegenteil, der Geruch gehört dazu. Außerdem ist sie sich sicher, den Drachen in ihm zu riechen. Es ist nur ein ganz leichter Hauch, doch es ist etwas, das sie noch nie bei jemand anderem gerochen hat. Zugegebenermaßen auch nicht bei Sammy oder Lilly, aber andererseits, hatte sie noch nie so dicht bei ihnen gelegen, wie sie nun bei Cya liegt. ER dagegen hatte immer schlecht gerochen. Sogar wenn er frisch gewaschen war und seine feine Kleidung getragen hatte. Dann hatte er meist dieses billige Parfum aufgelegt, das seinen Geruch noch unausstehlicher gemacht hatte. Und überhaupt hatte er immer nach Alkohol gerochen. Ständig hatte er diesen billigen Fusel getrunken und danach gestunken wie die ganze Taverne in Goldhain.


Mit einem leisen Gähnen schließt das Mädchen die Augen wieder, auch sie schläft noch einmal ein. Jedoch wird es nicht mit so ruhigen Träumen beschenkt, wie der Drache, der neben ihm ruht. Im Gegenteil, Tin wälzt sich unruhig hin und her und keucht ab und an leise auf.


„Ich liebe dich, Drecksstück“, schallen ihr die Worte entgegen. Sie steht hinter dem Haus, am Plumpsklo. Im Traum weiß sie sogar, dass dort irgendwann ein Grab für ihn sein wird. Und viel später auch eines für ihre kleine Tochter. Doch das nimmt ihr die Angst nicht. Nein, obwohl sie weiß, dass es enden wird, fühlt sie sich ausgeliefert. Er steht vor ihr und hält sie am Arm fest. Ihr ist schlecht, am liebsten würde sie ihm den Ekel, den sie empfindet auf die Schuhe spucken. Doch ihr bleibt alles stecken. „Ich liebe dich, Drecksstück.“ Seine Worte machen alles zunichte. Ein Versprechen, dass es nun für immer so weiter gehen würde. „Schließlich hast du deine Mutter getötet, du musst sie nun ersetzen, Schlampe!“

Bisher hatten ihm die Mädchen in Goldhain gereicht. Jeden Abend ist er dorthin verschwunden, doch sie ist leichter zu haben, kostet ihn kein Geld. Es ist ganz logisch für ihn. Für sie ist es das ja auch. Sie hatte nicht gehorcht, hatte ihre Mutter ermordet, also ist es nur gerechtfertigt, dass sie dafür bestraft wird. Dennoch lehnt sich etwas in ihr dagegen auf. Sie unterdrückt den Teil immer wieder, denn er darf nicht sein, bewahrt sie nicht vor Schmerzen, sondern ruft nur neue hervor.


Das Mädchen mit den traurigen Augen fährt aus seinem Traum auf und sieht sich um. Erst als Tin Cya sieht, hört und riecht, beruhigt sie sich langsam wieder. Es war ein Traum. Nur ein Traum. Leise kuschelt sie sich wieder an ihn, lässt seine beruhigende Geborgenheit sie einhüllen. Schließlich schläft sie wieder ein, doch im Einschlafen kommen noch leise genuschelte Worte über ihre Lippen: „Ich liebe dich, Drecksstück.“

18.2.10 04:27


11.02.10

Sein Herz pocherte wie wild, als er aus dem Schlaf gerissen wurde. Der kleine Drachling wusste im ersten Moment nicht so recht, wo er war. Alles war verschwommen und unscharf. Dann erinnerte er sich, man hatte ihn aus dem vertrauten Hort seiner Mutter genommen und hierher gebracht. Einige Wochen war es nun schon her, oder waren es Monate?

So genau wusste er es nicht mehr.

Hier sollte er zusammen mit anderen Drachlingen zu einem Soldaten ausgebildet werden. Sollte eines Tages den Schwarm und somit die Drachenkönigin beschützen, eines Tages wenn er groß und stark sein würde…wenn er nicht vorher an der harten Ausbildung und am gebrochenem Herzen zugrunde ginge.

Er vermisste seine Mutter und auch seine Geschwister, mit denen er sonst so fröhlich gespielt hatte.

Der kleine Rote hatte unvorstellbare Angst vor den großen Drachen, die ihn und die Anderen ausbildeten. Sie waren so bedrohlich und fremd, er sehnte sich nach der Geborgenheit seiner Mutter…die Wärme ihrer Liebe zu ihm.


Einmal hatte er versucht zu flüchten. Er wollte zu seiner Mutter zurück, doch man hatte ihn schließlich erwischt und die Strafe war hart gewesen. Der kleine Drache hätte sich kaum ein weiteres Mal getraut, auch nur daran zu denken.

Auch an diesem Morgen wurden die Drachlinge wieder zum Drill hinausgetrieben, unter ihnen auch der kleine Rote, dessen grüne Augen so anders waren, als die der übrigen Drachen. Ihre Wärme und Güte war unverkennbar, wenn auch voller Angst.

Er zitterte etwas, als einer der großen zu ihm sagte, er solle seine Flügel ausbreiten um zu fliegen. Zuerst wollte er nicht, ja weigerte sich sogar.

Als der Große ihn dann in die Luft hob um ihn dann gleich darauf fallen zu lassen, begriff der Kleine schließlich, dass ihm nichts anderes übrig blieb und spreizte seine Flügelchen.

Während er seine Augen geschlossen hatte und die Luft anhielt, spielte sich vor seinem geistigen Auge alles noch einmal ab.

Er erinnerte sich an die liebevollen Augen seiner Mutter als er aus dem Ei gekrochen kam.

An ihre zärtlichen Berührungen, als sie ihn ermutigt hatte zu laufen, sanft mit ihren Pranken nachhelfend.

An das Nest, in dem sie sich des Abends immer zusammengekuschelt niederlegten, um gemeinsam zu schlafen und auch an die Frage, die er seiner Mutter einmal gestellt hatte. Damals, als er zum ersten Mal die Sterne gesehen hatte.

„Was ist das dort oben, Mutter?“ wollte der kleine Rote neugierig wissen. Die große Rote sah ihren Sohn daraufhin lächelnd an und erklärte, dass dies die Sterne seien. Dass dort oben die Wesen, die einem besonders wichtig sind hingelangen, wenn ihre Zeit gekommen sei und sie von dort über sie wachen würden. Auch sein Vater sei dort und wäre sehr stolz auf ihn, hatte sie gesagt.

Das sagte sie auch an dem Tag, als man ihn aus dem Hort nahm, weg von seiner Mutter, von seinen Geschwistern.

Sie sagte ihm, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, an dem er seiner Bestimmung folgen sollte, so wie jeder Einzelne von ihnen. Sie sagte, dass sie immer in seinem Herzen sei und er in Ihrem.

Der kleine Rote hatte geweint und seiner Mutter unter Tränen gesagt, dass er nicht weg von ihr wolle, er hatte sich sogar an ihr festgekrallt, doch sie hatten ihn einfach mitgenommen.

Er hatte lange danach noch geweint und nach seiner Mutter gerufen, aber irgendwann wurde das Rufen leiser bis es schließlich verstummte.


Als der kleine Drachenwelpe seine Augen wieder öffnete, brannte in ihm ein inneres Feuer, welches in seinen Augen aufloderte. Er flog nun, und seine anfängliche Angst wich dem Stolz es geschafft zu haben.


Er arbeitete von nun an härter an sich selbst, ließ keine Gedanken mehr zu, die sich um seine Mutter drehten. Nach und nach vergaß er die Zeit, die er mit ihr verbracht hatte gänzlich und die Jahre vergingen, so dass aus dem Drachling zuerst ein Jungdrache, und danach ein Großdrache wurde.

Schon längst hatte er gelernt Feuer zu spucken und mit seinen nunmehr großen Schwingen elegant durch die Luft zu gleiten.

Nun war er selbst einer der Ausbilder, die erhaben über die Kleinen wachten und sie zu Soldaten heranzogen.

Auch er war nicht minder streng, und durch die Schlachten, welche er im Laufe seines Lebens gesehen hatte auch nicht unbedingt freundlich zu den Jungspunden, die noch nichts vom Leben wussten. Unter den Ausbildern seines Schwarms hatte er den Ruf, besonders hart zu sein, sowohl als Ausbilder als auch als Befehlshaber seiner Einheit.

Die grünen Augen musterten die junge Drachin, die der Einheit als Rekrut zugeteilt wurde.

Der große Rote nickte, wenn auch skeptisch, versprach jedoch sie unter seine Fittiche zu nehmen, als man Sie ihm zuteilte und als Lexiastrasza vorstellte.

Er ließ sie genauso arbeiten, wie die Anderen aus der Einheit, duldete keine Ausreden und nahm auch keine Rücksicht darauf, dass sie weiblich war.

Für ihn machte es keinen Unterschied, das jedenfalls dachte er wohl.

Nach und nach jedoch änderte sich das, wenn auch schleichend.

Der große Rote ertappte sich dabei, wie er ihr hinterher blickte, wenn sie an ihm vorbeiging.

Und auf einmal fing sein Herz wie wild an zu schlagen, wenn sie etwas zu ihm sagte, meist nickte er dann nur.

Wenn er jedoch seine Augen schloss, war er mit ihr zusammen, dicht an sie gekuschelt. Er lächelte, bei dieser Vorstellung, bekam dann immer ein Leuchten in den Augen.

Und der Mann, der sein ganzes Leben ein Soldat gewesen war, sehnte sich nun nach einem normalen Leben, einer Familie…



 

Als Cyanostrasz, der rote Großdrache langsam seine Augen öffnet, liegt er in einem weichen Bett in einem Gasthaus irgendwo in den östlichen Königreichen. Er lässt seinen Blick neben sich schweifen, wo ein junges Menschenmädchen liegt. Unter die Decke gekuschelt und wohl schlafend. Sanft zieht er die Decke über sie beide, während er das Mädchen langsam an sich zieht. Die gütigen, grünen Augen blicken sie verträumt und liebevoll an, schnell wischt er die Erinnerungen, welche ihn eben noch verfolgt hatten bei Seite.

Zaghaft gibt er ihr dann einen Kuss auf die Wange, vorsichtig kuschelt er sich an um noch etwas weiter zu schlafen, sich noch eine Weile auszuruhen.

Leise flüstert er dem Mädchen ins Ohr „ich liebe dich, Tindo“ dann schläft er wieder ein.


18.2.10 04:26


31.01.10

Er saß nun schon seit einiger Zeit hier, in Gedanken versunken…allein.

Auf dem Grab waren frische Blumen niedergelegt, er lächelte etwas, beim Betrachten, doch in seinen Augen spiegelten sich Traurigkeit und Einsamkeit wieder.

Diese gütigen, tiefgrünen Augen, die mit einem Lächeln das Gefühl von Wärme und Geborgenheit vermitteln konnten.

Doch nun war es nicht so.

Als sie vor etlichen Stunden in den Schwarzfels aufgebrochen waren, um Lilly zu retten, da hatte er noch Mut und Zuversicht gehabt. Ein Blick von Ihr hatte ausgereicht, um ihm Stärke zu geben, eine Handberührung, und er wusste, dass sie es schaffen würden.


Stark wollte er sein, sie beschützen, ungeachtet dessen, was mit ihm geschehen würde. Das Mädchen, was er so sehr liebte.

„Tindo“ schoss es ihm durch den Kopf.

Auch als das Gift des Drachen seine Adern durchströmt hatte, wollte er stark sein. Hatte ihr gesagt, dass es ihm gut ginge, hatte sie belogen.

Doch nicht aus Boshaftigkeit.

Er machte sich Sorgen, um Tin und um Lilly, seine Nichte.

Dennoch hatte er sie verletzt und ihr Vertrauen in ihn erschüttert.

Ihr Blick und ihre unnahbare Art hatten ihm klargemacht, dass sie genau dort war, wo er sie kennen gelernt hatte. Er hatte buchstäblich alles zunichte gemacht.

Der Gedanke daran, sie verloren zu haben, weil er zu stolz gewesen war, lähmte ihn.

Und dann blickte er erneut zu dem kleinen Grab.


Hier hatten sie vor einigen Tagen schweren Herzens Abschied von der kleinen Jasmin nehmen müssen. Er hatte Tin in dieser schweren Stunde beigestanden, sie gehalten, als sie ihre kleine Tochter im Arm gehalten hatte.

Schließlich war er es gewesen, der das kleine Mädchen in das Grab gebettet und sie dann mit frischer Erde zugedeckt hatte.

Und nun, wollte er das einzig Richtige tun, das Einzige was er in diesem Moment noch für richtig befand.

Er gehörte dem roten Drachenschwarm an, dessen Aufgabe es war, über das Leben zu wachen. Unter bestimmten Umständen, konnten sie es erneuern, doch das hatte seinen Preis.


Cyanostrasz wusste, wenn er die kleine Jasmin zurückholte, dann wäre sein Leben verwirkt.

Aber war das nicht das Beste, wenn Tin ihre kleine Tochter wieder in den Arm nehmen könnte? Ihn würde sie ohnehin nicht mehr sehen wollen, doch ihr kleines Mädchen schon.


Überzeugt das Richtige zu tun, konzentrierte er sich nun auf die Prozedur. Sie brauchte seine ganze Kraft, seine gesamte Energie.

Die Energie die freigesetzt wurde, als sich seine Seele von seinem Körper trennte, ließ ihn im Bruchteil einer Sekunde fast vor Schmerz vergehen. Doch er riss sich zusammen, wollte es zu Ende bringen.

Als sich sein Leben dem Ende nähern sollte, um das Mädchen zu erwecken, geschah jedoch etwas vollkommen unerwartetes.


Cya’s Körper lag nun leblos am Fuße des Grabes. Seine Seele schwebte einige Schritte von ihm entfernt über dem feuchten Gras, als diese Frau hinter einem Baum hervortrat.

Sie hatte anscheinend nur darauf gewartet und brauchte auch nicht lang, um ihm einen Halsreif umzulegen, was die Verbindung zu ihm und seiner Seele unterbrach.

Die Schwarzhaarige unterjochte den stolzen Drachen und unterwarf seinen Körper sich ihrem Willen zu beugen, während seine Seele suchend umherschweifte.


Schweißgebadet öffnet Sammy ihre bernsteinfarbigen Augen, als im Bett hochschnellt. Ihr Atem geht schnell und aufgeregt.

War dies eine Vorahnung, oder gar eine Tatsache?

18.2.10 04:23


18.2.10 04:32


28.01.10

Tin liegt mit offenen Augen im Bett. Es ist ein weiches Bett, so wie Reinhold es ihr empfohlen hat. Dennoch kann und will sie nicht schlafen. Stattdessen lässt sie sich Reinholds Worte, das ganze Gespräch mit ihm noch mal durch den Kopf gehen. Tin wagt sich nur sehr langsam an diese Gedanken heran.

Er hatte sie in den Arm genommen. Warum? Einfach so? Um sie zu trösten? Was steckte dahinter? Sie hatte panische Angst ihm zu glauben, aber er hatte es geschworen, hatte sogar einen Blutpakt mit ihr abgeschlossen.

Sie solle loslassen, hatte er gesagt. Und genau wie Cya hatte er ihr gesagt, dass Jasmin für immer in ihrem Herzen bleiben würde. Und wirre Sachen über Schuld und Unschuld. Das hatte sie nicht verstanden. Obwohl sie es wirklich versucht hatte.

Das Mädchen schließt die Augen, doch einschlafen kann sie immer noch nicht. Also lässt sie ihre Gedanken noch weiter wandern. Zum Abend zuvor. Es hatte ihr den Atem geraubt mit der kleinen Jasmin dort auf dem Boden zu sitzen. Sie war so klein gewesen. Jasmin... ja... das war wirklich der richtige Name für sie. Sie hatte nicht bemerkt, dass Cya gekommen war, im Gegenteil, sie war felsenfest davon überzeugt gewesen, dass er bereits auf dem Weg nach Nordend war. Dass er sie alleine gelassen hatte, so wie jeder zuvor. Tim war da gewesen, doch sie hatte gemerkt, dass er eben so hilflos war wie sie. Und dann war Cya auf einmal aufgetaucht, hatte sie in den Arm genommen. Alles war direkt nur noch halb so schlimm gewesen. Cya hatte das Mädchen... die kleine Jasmin... schließlich in das Loch gelegt und sie mit Erde bedeckt.

Tin schüttelt schnell den Kopf, um diese Gedanken wegzuschieben. Neben ihr liegt Cya, sein Atem geht ruhig und gleichmäßig. Er schläft. Sie schließt die Augen und versucht ruhig zu atmen, ihre Gedanken zu beruhigen. Langsam übernimmt sie Cyas Rhythmus, aber trotzdem schläft sie nicht ein. Den Rest der Nacht liegt sie ruhig da und wartet einfach ab, dass der Morgen dämmert.
18.2.10 04:15


15.01.10

Einige Zeit war nun schon vergangen, seid Cya sich von Lilly verabschiedet und sich auf den Weg Richtung Drachenöde gemacht hatte. Zuerst war er einem alten Pfad der Kaluak gefolgt. Dies hatte er lediglich so lange getan, bis er sich sicher war, dass ihm Niemand gefolgt war. Versteckt in einem kleinen Wäldchen, umgeben von Büschen verwandelte der rothaarige Mann sich schließlich in etwas anderes, seine Gliedmaßen nahmen enorme Züge an. Riesige Schwingen mit ebenso gewaltiger Spannweite spreizten sich in der klirrenden Kälte des Nordens. Der donnernde Hall des Rufes der riesigen, haushohen Echse, war wohl einige Kilometer weit zu vernehmen, als sich der Rubindrache letztendlich mit seinen Pranken vom schneebedeckten Boden abstieß. Die Wucht des Luftzugs seiner Schwingen stieß den umherliegenden Schnee bei Seite, so als würde man den Schaum einer heißen Schokolade von der Oberseite der Tasse pusten.

Seine warmen, gütigen Augen betrachteten für einen kurzen Moment die freigesetzten Blumen, die darunter wohl einen Winterschlaf gehalten haben mochten.

Dann setzte er sich in Bewegung, weiter Richtung Drachenöde, auf der Suche nach seiner Tochter, so besorgt wie ein Vater nur sein kann…


Viele Stunden flog Cyanostrasz, der rote Großdrache nun schon über Nordend hinweg. Der kalte Wind in den Wolken hatte ihm sehr zugesetzt, doch Müdigkeit und die stetige Sorge um seine Tochter, Samyrastrasza ließen ihn das nicht merken…oder ignorierte er es einfach?

Und dann war da ja noch Jemand, an die er immerzu denken musste. In Sturmwind. Und sie wartete auf ihn. Und er wollte sie doch nicht zu lange warten lassen.

„Tin“ schoss es ihm immer wieder durch den Kopf „Tindomerel“


Was sie jetzt gerade wohl tat?


Und plötzlich war es da. Dieses Gefühl von Unbehagen, das Wissen, dass etwas geschehen würde.

Nahe eines Gletschers, im Norden der Drachenöde, setzte Cya zur Landung an. Er versuchte so sanft wie nur möglich zu landen, doch dies gelang ihm nur mäßig, da sich nun auch langsam die Müdigkeit, die ihn schon länger begleitete, bemerkbar machte.

Ausgezehrt und völlig übermüdet krachte er in den hohen Schnee, wo er für einen Moment liegen blieb. Erschöpft wollte er seine Augen schließen, doch schnell fasste er sich erneut, zwang sich selbst nicht auf zu hören.


Er hatte Tin versprochen, sie nicht allein zu lassen…und auch Sammy und Lilly nicht.

„Sammy...ich muss sie finden“ sprach er zu sich selbst, als er seinen riesigen Körper wieder aufrichtete und sich schwerfällig durch den Schnee stapfend auf die weitere Suche machte…


Schneewehen und eiskalter Wind peitschten ihm ins Gesicht, sowie gegen den restlichen Körper des Großdrachen. Er musste wohl in der Nähe des Rubindrachenschreins sein. Dem Ort, an dem seine Brüder und Schwestern ihre letzte Ruhe fanden, wenn der Tag gekommen war. Auch Lex war hierher gebracht worden, als sie gefallen war. Es war ein Ort der Besinnung, des Endes aber auch des Neubeginns.

Und wieder war dieses Gefühl des Unbehagens in ihm.

Diesmal noch stärker, als zuvor.

Doch woran sollte das liegen? An der immerwährenden Präsenz des Untodes, welche sich wie ein Lauffeuer durch ganz Nordend erstreckte?

Aber das konnte es nicht sein, denn dieses Gefühl war anders, als es er es bisher Jemals gefühlt hatte. Eine ihm bekannte Aura war zu spüren, doch das war gänzlich unmöglich.

Sollte er sich schon Dinge einbilden, in seinem Delirium…wurde er wohlmöglich wahnsinnig?


Das Schneetreiben war unlängst stärker geworden, so dass bis auf wenige Meter kaum etwas zu erkennen war.

Der Drache hob seinen Kopf in die Luft um etwas besser erkennen zu können, wohin er lief.

Der Schrein musste doch bald auftauchen, er konnte sich doch nicht so verfranst haben.

Wenn er klar hätte denken können, dann wäre ihm zweifellos aufgefallen, dass er sich schon längst nicht mehr auf dem Weg zum Rubindrachenschrein befand. Ohne es zu wissen, hatte ihn sein Instinkt überlistet und führte ihn auf die Präsenz zu, die für sein Innerstes ungemein wichtig war. Sein Verstand aber, hätte ihm zweifellos gesagt, dass er nicht weiter durfte.


Und dann, sah er sie. Diese Gestalt, welche aus dem Schneetreiben auf ihn zukam. Vollkommen in schwarz gehüllt, das Gesicht unter einer Kapuze verborgen, so dass lediglich die Augen leuchtend hervorstachen.

Die Person kam langsam näher, es schien, als würde sie über den Schnee hinwegschweben.

Begleitet wurde sie von einer klirrenden Kälte, die das Blut in den Adern gefrieren ließ.


Sie waren nunmehr wenige Schritte voneinander entfernt, als die Person zu reden begann. Die Stimme war kalt, und mit jedem Wort, welches ihr über die Lippen glitt strömte so ein unnachgiebiger Nachgeschmack von Tod in Cya´s Bewusstsein.

Er riss unweigerlich seine Augen auf.

Diese Stimme war ihm so seltsam bekannt und gleichzeitig fremd.

Dann, nahm die Person ihre Kopfbedeckung ab und blickte ihn aus eisblauen, bösartig funkelnden Augen an. Das Gesicht der Frau vor ihm war makellos und eben, wie das einer Porzellanpuppe. Das lange, weiße Haar fiel üppig zur Seite auf ihre Schultern und floss weiter hinab, bis beinahe zu den Hüften.


„LEX!“ stieß Cya hervor „wie kann das sein?“


Die Frau musterte ihn, ihre Lippen kräuselten sich zu einem unheilvollen Grinsen.


„Begrüßt man so, seine große Liebe? Ist das alles, was du mir zu sagen hast?!


Noch ehe Cyanostrasz etwas dazu äußern konnte, wurde er von den Seiten angegriffen. Reagieren war kaum möglich, die Glutwyrm, eine genaue Zahl war nicht aus zu machen, attackierten ihn unerbittlich.

Verzweifelt versuchte er sich zu wehren, schüttelte einen Angreifer von seinem Rücken, ehe sich Dieser darin verbeißen konnte, doch schon waren da 3 Andere.

Einen von ihnen konnte Cya schließlich erwischen und mit seinen riesigen Pranken zermalmen, aber Müdigkeit und Erschöpfung forderten ihren Tribut.


„Du hast also wirklich geglaubt, ich ließe dich so einfach davonkommen?

Jetzt war es Lex, die sich in etwas großes veränderte.

Aber es war nicht die ihm vertraute Rubindrachin, die er einst innig geliebt hatte.

Sie war nun zu etwas anderem geworden, etwas, das die Geißel aus allen von ihnen machte, die sie korrumpieren konnte.

Die Augen des Glutwyrm waren blutrot und funkelten voller Zorn.


„Das…ist…nicht…wahr“ keuchte Cya leise, während er immer schwächer werdend die Attacken der anderen Wyrm zu parieren versuchte.



Sie deutete den Anderen Drachen von ihm ab zu lassen, ehe sie selbst sich ihm näherte. Ihr erbarmungsloser Blick ließ keinen Zweifel zu. Sie gehörte zur Geißel und sie war hier um ihn zu töten. Bevor sie zum letzten Schlag ausholen wollte, sprach sie jedoch noch mal mit gedämpfter Stimme.


„Ich war es, die dich herlockte…dich in den Glauben versetzte, dass Sammy dich hasst. Und nun…nachdem ich dich getötet habe…werden sie dir schon bald folgen.“


Mit letzter Kraft holte er schließlich aus, versetzte ihr einen Schlag mit seinen Klauen, der sie augenblicklich zurückweichen ließ.


„TÖTET IHN!“ schrie sie, während sie selbst sich schon in die Luft erhob „Lasst nichts von ihm übrig. Ich nehme mir die Anderen vor!“

Die Wyrm verschwand schließlich wieder in dem Schneetreiben aus dem sie gekommen war, doch sie ließ noch einige kleinere Glutwyrm zurück, die nun den Rest erledigen sollten.


Sie alle stürzten sich nun auf Cyanostrasz, der mit allen Kräften versuchte sich zu wehren. Mit seinem Schweif traf er zwei von ihnen und peitschte ihnen eine geballte Ladung Wut entgegen. Einer von ihnen verbiss sich in seiner Flanke und riss, nachdem Cya ihm einen Prankenhieb verpasst hatte ein großes Stück Fleisch heraus.

Der Rubindrache wusste, wenn er nicht schleunigst in die Luft kam, wäre das wohl sein Ende.

Mit letzter Kraft stieß sich die große Echse vom Boden ab, um die Wyrm anschließend mit seinem Feueratem ein zu äschern.

Alle konnte er allerdings nicht erwischen, da sie sich ebenfalls in die Luft erhoben hatten. Hier griffen sie ihn weiterhin erbarmungslos an.

Der Schnee wurde vom harten Wind herumgewirbelt, und traf sie alle so dass es schmerzte wie tausend kleine Nadelstiche.

Einer der Wyrm hatte nicht aufgepasst, so dass Cya ihn sich packen konnte.

Ein unschönes Zerbersten von Knochen war zu hören, als der rote Großdrache das Genick des Wyrm brach und ihn zu Boden krachen ließ.


Geschwächt und keuchend versuchte Cya in der Luft zu bleiben. Lange war es ihm wohl nicht mehr möglich. Verschwommen nahm er die Bewegungen seiner Gegner nur noch Schemenhaft war.

Sie befanden sich nun direkt über dem Rubindrachenschrein.


Ein letzter Feueratem versengte die Körper der Angreifer in brütender Hitze. Doch sie waren noch im Stande zu einem letzten Gegenschlag aus zu holen.

Mit messerscharfen Klauen bohrten sie sich in die Haut des Großdrachen und zerfetzten seine Flügel.

Der Schrei, den Cya ausstieß verhallte in den Weiten des Nordens.

Dann krachte er ungebremst auf den Boden des Schreins.

Von den Seiten kamen nun etliche Rubindrachen, die seine Peiniger schließlich zu Asche verbrannten.

Sein Atem war schwer, als er sich zu erheben versuchte. Sämtliche Knochen in seinem Leib waren gebrochen, dazu kamen die Biss und Kratzwunden. Das alles hätte er wohl ertragen können, wenn nicht der seelische Schmerz ihm so zugesetzt hätte. Wie konnte das sein, seine große Liebe hatte ihn verraten. Sie, der Er einst ewige Liebe geschworen hatte, war gekommen um ihn zu töten.

Nach einigen Versuchen, brach er schließlich unter unvorstellbarem Schmerz zusammen.


Seine Augenlider wurden schwer, als er mit trübem Blick in den eisigen Himmel der Drachenöde starrte. War das der süße Duft der Erlösung? Er, der schon viele Schlachten gesehen hatte, sollte nun gehen?


„Lex…Tin…Sammy…ich kann nicht…ich kann Euch nicht beschützen…“ Fast wie ein leiser Windstoß vergingen diese geflüsterten Worte.

Dann schloss er seine gütigen Augen, wartend, dass die ewige Nacht ihn umarmen würde…

18.2.10 04:04


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